Sicherheitslage Stand: · 6 Minuten Lesezeit
Sicherheitslage: KI-Phishing und falsche Anrufe vom Chef
Die Betrugs-Mail von früher erkannte man an holprigem Deutsch. Heute schreibt eine KI fehlerfrei, kennt Namen und Projekte und ruft notfalls mit der Stimme der Geschäftsführung an.
Was ist passiert
Das im Oktober 2026 vorgestellte CYBERsicher Lagebild der Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand beschreibt eine deutliche Verschiebung: Auf Betrugs-Mails, die mit KI auf den Empfänger zugeschnitten sind, klicken drei- bis fünfmal so viele Menschen wie auf allgemein formulierte. Und im ersten Halbjahr 2026 kam bereits jede neunte erkannte Phishing-Nachricht als QR-Code, der Link-Filter umgeht und auf dem privaten Handy geöffnet wird.
Dazu kommt der Betrug per Telefon. Mit wenigen Sekunden Sprachaufnahme, etwa aus einem Video oder einem Vortrag, lässt sich eine Stimme heute überzeugend nachbilden. Der Anruf vom angeblichen Geschäftsführer, der dringend und vertraulich eine Überweisung braucht, ist damit kein grobes Rollenspiel mehr. Auch in Österreich warnte das Finanzministerium im Februar 2026 ausdrücklich Unternehmen vor gefälschten Nachrichten und Anrufen, die zu Zahlungen verleiten sollen.
Wen betrifft es
Jeden Betrieb, in dem jemand Zahlungen auslösen oder Bankdaten ändern kann: Buchhaltung, Assistenz, Geschäftsführung und alle mit Zugriff auf das Online-Banking. Besonders im Visier sind Unternehmen, deren Führungskräfte öffentlich auftreten, denn jedes Video liefert Stimmproben, und jede Website verrät Namen und Zuständigkeiten.
Was Sie sofort tun sollten
- Rückruf über eine bekannte Nummer. Jede Bitte um Zahlung, Bankdatenänderung oder Passwort wird über eine Nummer bestätigt, die Sie schon haben. Nie über die Nummer aus der Mail oder vom Anruf.
- Vier Augen bei Zahlungen. Ab einem festgelegten Betrag und bei jeder Änderung einer Bankverbindung gibt eine zweite Person frei. Ohne Ausnahme, auch nicht bei angeblicher Eile.
- Ein Codewort für Notfälle. Vereinbaren Sie mit der Geschäftsführung eine Rückfrage, die nur Sie kennen. Eine geklonte Stimme kann sie nicht beantworten.
- QR-Codes wie Links behandeln. Ein QR-Code in einer Mail, der zur Anmeldung oder Zahlung auffordert, wird nicht gescannt.
- Das Team kurz informieren. Eile, Autorität und Geheimhaltung zusammen sind das Erkennungszeichen. Wer dann nachfragt, macht alles richtig.
Was mittelfristig hilft
- Den Zahlungsablauf schriftlich festlegen und die Freigabe zu zweit auch im Online-Banking technisch einrichten, nicht nur als gute Absicht.
- Regelmäßige Schulung mit aktuellen Beispielen. Einmal im Jahr ein Vortrag reicht nicht, kurze und wiederkehrende Einheiten wirken besser.
- Mehr-Faktor-Anmeldung überall. Sie verhindert das Phishing nicht, macht aber ein erbeutetes Passwort wertlos.
- Mail-Schutz, der Links und QR-Codes prüft, und eine sichtbare Kennzeichnung aller Mails von außen.
- Klare Regeln für KI-Werkzeuge. Wer weiß, wie KI arbeitet, erkennt ihre Fälschungen eher. Das deckt sich mit der Pflicht zur KI-Kompetenz aus dem EU AI Act.
Ist trotzdem Geld überwiesen worden, zählt jede Stunde: sofort die eigene Bank verständigen und Anzeige erstatten. Was sonst zu tun ist, steht im Beitrag Phishing erkennen.
Wie wir unterstützen
Im Paket Secure IT ist der Schutz vor Betrugs-Mails und Schadsoftware enthalten, in Secure+ zusätzlich ein laufendes Security-Awareness-Training für Ihr Team. Wie Ihr Team KI sinnvoll und sicher einsetzt, zeigen wir in unserer KI-Schulung. Den Stand Ihrer Mail- und Anmeldesicherheit prüft der Microsoft 365 Sicherheitscheck.
Quellen
- Transferstelle Cybersicherheit im Mittelstand: CYBERsicher Lagebild
- it-daily.net: KI verändert Phishing
- Bundesministerium für Finanzen: Warnung vor betrügerischen Nachrichten, Fake-Anrufen und gefälschten Webseiten (27.02.2026)
Dieser Beitrag gibt den Stand vom 3. November 2026 wieder. Maßgeblich für Versionen und Abhilfen sind die Hinweise der Hersteller.
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